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Gärtnern und Jagen

Stöbern üben mit Fina, 8 Monate alt

26,Jan.,2024 | Hunde, Im Jagdrevier

Stöbern Jagdhund

Fina ist nun 8 Monate alt, Zeit um nun einmal gezielt das Stöbern zu üben.

Gestern war ein schöner trockener und sonniger Tag, die Drückjagden sind jetzt, Ende Januar, vorbei, also stört ein stöbernder Hund das Jagdgeschehen nicht so sehr. Die Ricken sind zur Zeit noch nicht hochtragend und Frischlinge im Kessel sollten auch noch keine da sein. Ein perfekter Tag zum Stöbern-Üben!

Was bisher war
Bisher habe ich mit Fina 3-4 längere Reviergänge pro Woche gemacht, bei denen sie weitestgehend frei laufen durfte. Dabei hat sie Wechsel verfolgt, Losungen gefunden und untersucht und immer wieder verendete Stücke/Tiere gefunden: von der Maus und dem Singvogel über Eidechsen und Blindschleichen hin zu einem Bussard, einem Reh und einer Sau. Dafür habe ich sie jedesmal gelobt (auch wenn ich ihr die vergammelten Teile liebend gerne weggenonmmen hätte). Sogar eine Abwurfstange hat sie schon gefunden!

Steirische Rauhhaarbracke mit Abwurfstange

Fina mit ihrer gefundenen Abwurfstange

Immer sorge ich bei normalen Spaziergängen dafür, dass sie nicht zufällig auf Rehwild, Sauen oder Rotwild trifft und diese ungeplant hetzt. Dazu kündige ich uns dem Wild immer ziemlich lautstark vor jeder Wegkurve und jeder Kuppe durch übertriebenes Husten an. Mein Ziel ist, dass Fina unterscheiden lernt zwischen einem normalen Spaziergang – auf dem kein Wild gehetzt wird – und gezieltem Stöbern. Meine Hoffnung dabei ist, dass ich sie später weiterhin auch ohne Leine laufen lassen kann, ohne dass sie das als Freibrief zum Stöbern ansieht.

Zusätzlich arbeite ich am Rückruf. Der lecker gefüllte Futterbeutel ist immer dabei und Fina wird einige Male unterwegs herangerufen und aus dem Beutel mit ihrer täglichen Futterration gefüttert. Zwischendurch gibt es dann auch einige Such- und Apportier-Aufgaben mit dem Beutel. Der Rückruf hat sich, seitdem ich dies konsequent tue, deutlich verbessert.

Der erste Sauenkontakt beim Kreisen
Wenn man vom Besuch im Prägungskorridor im Schwarzwildgatter Ende September mal absieht (dort war sie mit 4 Monaten an den Sauen noch nicht interessiert), hat Fina bisher nur erlegte Sauen kennengelernt.

Letzte Woche waren wir kreisen, den vermutlich letzten Schnee dieses Winters nutzen. Wir fanden tatsächlich eine Dickung, in die frische Sauenfährten reinführten. Da Thorsten an der Schulter verletzt war und nicht schießen konnte, ist er mit Fina in die Dickung gegangen. Ralf und ich haben uns draußen mit Drückjagdwaffen positioniert. Mit Thorsten in der Dickung hat Fina die Sauenfährten schön verfolgt und ist dann eine Dickung darunter an die Sauen gekommen. Sie hat tiefen Standlaut gegeben, es hat mächtig gewackelt – und dann waren Sauen und Fina weg.

In diesem Moment hätte ich mir in den A… beissen können, dass ich so gedankenlos war, und ihr das Garmin nicht angelegt hatte! Eine Schutzweste hat sie auch noch nicht, die vom Terrier ist ihr inzwischen zu klein. Bange 20 Minuten vergingen, Fina weg. Dann tauchte sie wieder fröhlich und unversehrt am Auto auf. Puhh! Nochmal gut gegangen! Aber das war echt saublöd von mir! Ich hatte einfach nicht angenommen, dass die kleine, sonst übervorsichtige Maus alleine mit Sauen abhaut! Da hab ich sie wohl echt unterschätzt.

Dies war jedenfalls eine Art Vorübung zum selbständigen Stöbern. Sie hat die Verbindung von einer warmen Fährte mit lebendem Wild herstellen können und ein sicherlich prägendes Erlebnis gehabt. Die Krönung wäre natürlich gewesen, wenn wir eine Sau vor Ihr hätten schießen können, aber das sollte wohl nicht sein.

Was ich mit dem Stöbern-Üben erreichen will
Fina soll verstehen lernen, dass meine Signale bedeuten:

  • Such jetzt
  • in der angezeigten Richtung,
  • nach Wild oder Fährten,
  • verfolge beides und
  • gib dabei Laut.
  • Komme zurück, wenn Du die Fährte nicht weiterbringen kannst.
  • Verlass Dich darauf, dass ich genau hier auf Dich warte.

Die Signale sind:

Die aufgestellte Hand in Richtung der Dickung, das Signalwort „Such voran“ und das Schnallen.

Und dann ging es los ins Revier
Mein Plan war, in einem Bereich mit weniger großen und dichten Dickungen zu arbeiten. Ich wollte nicht, dass sie auf Sauen trifft. Das wäre mir zu unkalkulierbar. Was, wenn sie auf eine starke und wehrhafte Sau trifft? Sie hat ja beim Kreisen letzte Woche überhaupt das erste mal Sauenkontakt gehabt, aber da waren wir zu dritt und hätten ihr helfen können, heute war ich alleine.
Also sollte sie ausnahmsweise mal Rehwild stöbern, es geht ja erstmal um den Ablauf an sich.

Ich habe sie also nacheinander an fünf verschiedenen Stellen mit den oben genannten Signalen geschnallt. Diesmal natürlich mit Garmin!

Hier könnt ihr Euch nun alles auf Youtube ansehen.

Und hier die Erläuterungen zu den 5 Stöberarbeiten:

1. Auf dem Weg über das offene Feld zu einer kleinen Dickung am Bestandsrand sprangen bereits 2 Stück Rehwild ab. Zum Glück hatte Fina sie nur kurz gesehen, denn sie verschwanden erst im Bestand. Ich entschied, Fina zu schnallen und schickte sie mit den genannten Signalen in den Bestand. Als sie dort war., flüchteten die beiden Stücke ca. 350m übers Feld in den gegenüberliegenden Bestand. Fina folgte auf der Fährte und wurde sogar hin und wieder laut. Sie drehte am Bestandsrand wieder um und kam zu mir zurück. Das war zwar etwas ungeplant, aber ich war ganz zufrieden mit dem Verlauf.

2. Im lichten Altbestand. Hinter uns ein tiefer Graben, 50m vor uns eine lockere Dickung. Ich schnalle Fina, versäume aber das Handzeichen zu geben und sie läuft prompt erst einmal Richtung Graben. Er ist ihr wohl zu tief, sie bleibt davor stehen, lässt sich von mir Richtung Dickung schicken, dreht wieder zum Graben um, lässt sich wieder schicken, sucht weiter im Nahbereich, findet aber wohl keine Fährte. Also leine ich sie an und gehe zur nächsten vielversprechenden Stelle.

3. Eine Dickung, in der letzten Winter die jungen Birken umgeschnitten worden sind. Sie sind inzwischen mit Brombeeren überwachsen. Fina stellt sich allgemein immer sehr an, wenn pieksende Pflanzen im Weg sind.
2 Stück Rehwild springen ab und flüchten in den Altbestand. Fina sieht es nicht aber nimmt die Witterung wahr und gibt suchend ein wenig Laut. Sie will in die richtige Richtung, aber die querliegenden Stämmchen mit den Brombeeren sind für sie unüberwindbar. Ich leine sie an, führe sie um die Dickung zur Fährte. Sie nimmt die Fährte auf und verfolgt sie laut Garmin bis auf 130m. Dem zeitweise intensiven Laut nach könnte sie auf die beiden Stücke gestoßen sein. Nach wenigen Minuten ist sie wieder da und wird angeleint. Das ist doch super gelaufen!

4. Auf dem Weg zur letzten geplanten Dickung will Fina einem frisch belaufenen Wechsel unbedingt folgen. Also schnalle ich sie. Sie überwindet nach erstem Zögern einige querliegende Äste und Brombeeren und verfolgt stumm eine Fährte bis auf 100m. Ich kann ihre Arbeit im Altbestad gut verfogen. Dann kehrt sie auf dem selben Weg zurück und wird angeleint.

5. Dann geht es zur letzte Dickung. Einige 1,5m hohe Douglasien, Holunder, Ginster und Brombeeren. Mal sehen ob sie da reingeht. Sie arbeitet sich auf einem Wechsel hangabwärts durch als links oben 2 Stück Rehwild in den Roteichenbestand abspringen. Fina bekommt wieder Witterung wird kurz laut und verfolgt die Stücke bis auf 240m. Ihren hohen Laut kann ich kurz darauf aus ziemlicher Entfernung gerade noch wahrnehmen. Sie kommt zurück und lässt sich anleinen.
Feine Fina!

Ich fahre mit einem guten Gefühl nach Hause. Im Grunde hat alles sehr gut geklappt. Der Hund hat gesucht, sich dirigieren lassen, Fährten verfolgt, ist dabei zumindest zeitweise laut geworden, ist zügig wieder zurückgekommen und hat sich anleinen lassen.
Diese Arbeiten haben natürlich Wild beunruhigt, aber in einem vertretbaren Maße. Ich werde das noch 1-2 mal an anderer Stelle wiederholen und dann ist erst einmal Schluss mit dem Stöbern und das Wild hat (zumindest vor uns) seine Ruhe.

Dafür steht ja nun die Fährtenschuh-Arbeit auf dem Stundenplan…

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